Thomas SchweigGründer von AMS-Pro - Arbeitsschutzsoftware, modern, flexibel, online Schluss mit unendlichen Excel Listen
Inhaltsverzeichnis
- Ihr direkter Weg zur Fachkraft für Arbeitssicherheit
- Die drei Säulen Ihrer Qualifikation
- Die drei Säulen Ihrer Qualifikation zur SiFa im Überblick
- Das Fundament Ihrer Qualifikation: Mehr als nur ein Titel auf dem Papier
- Warum technisches Verständnis so unverzichtbar ist
- Die Bedeutung von echter Berufserfahrung aus dem Feld
- Vom Fundament zur praktischen Anwendung im Alltag
- Die Fachkundeausbildung zum Leben erwecken
- Vom Lehrbuch zur Werkbank: Der Aufbau der Ausbildung
- Die Lernerfolgskontrolle als Praxistest
- Mehr als nur Vorschriften verstehen
- Ihre Rolle im Unternehmen rechtssicher gestalten
- Warum die schriftliche Bestellung so wichtig ist
- Die Stabsstelle als Schlüssel zum Erfolg verstehen
- Wissen aktuell halten und als Erfolgsfaktor nutzen
- Trends erkennen und Kompetenzen erweitern
- Netzwerke nutzen und den Überblick behalten
- Häufig gestellte Fragen zur Sifa-Qualifikation
- Kann ich die Sifa-Ausbildung ohne Meister oder Techniker machen?
- Wie lange dauert der gesamte Weg zur Sifa?
- Muss ich meine Fortbildungen als Sifa nachweisen können?
- Was unterscheidet eine Sifa von einem Sicherheitsbeauftragten?

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Der Weg zur Fachkraft für Arbeitssicherheit – oft einfach Sifa genannt – ist kein Hexenwerk, sondern folgt einer klaren und logischen Struktur. Es geht darum, dass Sie am Ende nicht nur Vorschriften zitieren können, sondern Betriebe wirklich kompetent und praxisnah beraten. Die gute Nachricht: Der Weg dorthin ist fest geregelt.
Lassen Sie uns die Paragrafen aus dem Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG) und der DGUV-Vorschrift 2 mal für einen Moment beiseitelegen und schauen uns an, was das Ganze in der Praxis für Sie bedeutet.
Ihr direkter Weg zur Fachkraft für Arbeitssicherheit
Stellen Sie sich die Qualifikation zur Sifa wie ein stabiles Fundament vor, das auf drei starken Säulen ruht. Fehlt eine dieser Säulen, wackelt das ganze Konstrukt. Nur wenn alle drei vorhanden sind, haben Sie die offizielle Befähigung in der Tasche, um als Sifa durchzustarten.

Jeder Schritt auf diesem Weg baut ganz logisch auf dem Vorherigen auf. Sie bringen eine technische Basis mit, sammeln wertvolle Praxiserfahrung und satteln dann das spezialisierte Arbeitsschutz-Wissen obendrauf. So wird sichergestellt, dass Sie die betrieblichen Abläufe wirklich verstehen und nicht nur theoretische Konzepte im Kopf haben.
Die drei Säulen Ihrer Qualifikation
Um als Sifa anerkannt zu werden, müssen Sie im Grunde drei wesentliche Hürden nehmen. Diese gliedern sich wie folgt:
- Ihre berufliche Grundqualifikation: Sie starten nicht bei null. Voraussetzung ist, dass Sie bereits Ingenieur, Techniker oder Meister sind. Diese technische Ausbildung ist Ihr Ticket, denn sie garantiert, dass Sie die Sprache der Betriebe sprechen und technische Prozesse von Grund auf verstehen.
- Passende Berufserfahrung: Nach Ihrem Abschluss müssen Sie mindestens zwei Jahre lang in Ihrem gelernten Beruf gearbeitet haben. Diese Zeit ist Gold wert, denn hier lernen Sie, wie ein Betrieb wirklich tickt – mit all seinen Herausforderungen und Eigenheiten.
- Die sicherheitstechnische Fachkundeausbildung: Das ist der letzte, entscheidende Baustein. In einem speziellen Lehrgang erwerben Sie das gesamte Fachwissen rund um den Arbeitsschutz, das Sie brauchen, um Gefährdungen zu erkennen, Maßnahmen zu entwickeln und den Arbeitgeber wirksam zu beraten.
Die folgende Tabelle fasst diese drei Säulen noch einmal kompakt für Sie zusammen. Sehen Sie sie als eine Art persönliche Checkliste, um schnell zu prüfen, wo Sie auf Ihrem Weg zur Sifa gerade stehen.
Die drei Säulen Ihrer Qualifikation zur SiFa im Überblick
Diese Tabelle zeigt die zentralen Anforderungen auf dem Weg zur Fachkraft für Arbeitssicherheit und dient als schnelle Orientierung für Ihren Karriereweg.
Qualifikationssäule | Zentrale Anforderung | Beispiele und Details |
Berufliche Grundqualifikation | Abschluss als Ingenieur, staatlich anerkannter Techniker oder Meister. | Maschinenbauingenieur, Elektrotechnikermeister, Chemietechniker. |
Berufserfahrung | Mindestens zwei Jahre praktische Tätigkeit nach dem Berufsabschluss. | Tätigkeit in der Produktion, Instandhaltung oder im Ingenieurwesen. |
Fachkundeausbildung | Erfolgreicher Abschluss des staatlich oder berufsgenossenschaftlich anerkannten Lehrgangs. | Absolvierung der Ausbildungsstufen I, II und III inklusive Lernerfolgskontrollen. |
Das Fundament Ihrer Qualifikation: Mehr als nur ein Titel auf dem Papier
Auf den ersten Blick könnte man meinen, die Vorgabe, dass eine Fachkraft für Arbeitssicherheit (Sifa) ein Ingenieur, Techniker oder Meister sein muss, sei reine Formsache. Doch weit gefehlt. Hinter dieser Anforderung verbirgt sich eine grundlegende Philosophie, die für einen wirksamen und praxistauglichen Arbeitsschutz absolut entscheidend ist. Es geht nicht um den Titel, sondern um eine ganz bestimmte Denkweise, die in diesen Berufen tief verwurzelt ist.

Man kann es sich wie bei einem Architekten vorstellen. Bevor er auch nur einen Gedanken an die Ästhetik eines Gebäudes verschwendet, muss er die Gesetze der Statik im Schlaf beherrschen. Er braucht ein tiefes Verständnis dafür, wie Kräfte wirken, welche Materialien standhalten und wo die kritischen Schwachstellen lauern. Ohne dieses technische Fundament wäre jeder Entwurf eine potenzielle Gefahr.
Genau nach diesem Prinzip funktioniert auch der Arbeitsschutz. Die Sifa ist quasi der Architekt für sichere Arbeitsprozesse.
Warum technisches Verständnis so unverzichtbar ist
Als Ingenieur, Techniker oder Meister bringen Sie von Haus aus eine analytische Herangehensweise mit. Sie sind es gewohnt, komplexe Systeme in ihre Einzelteile zu zerlegen, Wechselwirkungen zu verstehen und die Funktionsweise von Maschinen und Anlagen bis ins Detail zu durchdringen.
Genau diese Fähigkeit ist das A und O, um Gefahrenquellen nicht nur oberflächlich zu erkennen, sondern sie an der Wurzel zu packen. Sie verstehen, warum eine Maschine so konstruiert ist, wie sie ist, welche Risiken von einem chemischen Prozess ausgehen oder wie die verschiedenen Produktionsschritte ineinandergreifen.
Dieses tiefgreifende Wissen ist die Basis für eine fundierte Beratung der Geschäftsführung und das Rückgrat jedes wirksamen Schutzkonzeptes. Es befähigt Sie, die richtigen Fragen zu stellen und die Antworten der Experten im Betrieb korrekt einzuordnen.
Die Bedeutung von echter Berufserfahrung aus dem Feld
Neben der formalen Ausbildung ist die geforderte mindestens zweijährige Berufserfahrung der zweite entscheidende Eckpfeiler. Aber was heißt hier eigentlich „einschlägig“? Ganz einfach: Sie müssen mittendrin gewesen sein. Sie brauchen praktische Erfahrung aus dem echten Betriebsalltag.
- Praxisnahe Tätigkeiten: Das bedeutet Arbeit in Bereichen wie Produktion, Konstruktion, Instandhaltung oder technisches Projektmanagement.
- Keine reine Verwaltung: Ein reiner Bürojob im Vertrieb oder in der Verwaltung reicht hier nicht aus. Der direkte Bezug zu den technischen Abläufen und den damit verbundenen Gefahren fehlt schlichtweg.
- Die Unternehmenskultur verstehen: In diesen zwei Jahren lernen Sie nicht nur die Technik kennen, sondern auch die Menschen und die ungeschriebenen Gesetze des Betriebs. Sie erleben hautnah, wo im Alltag die wahren Probleme lauern und warum manche Sicherheitsmaßnahme in der Praxis grandios scheitert, obwohl sie in der Theorie so gut klang.
Diese Erfahrung aus dem „Maschinenraum“ des Unternehmens ist Gold wert. Sie verleiht Ihrer späteren Beratung als Sifa die nötige Glaubwürdigkeit und sorgt dafür, dass Ihre Vorschläge nicht als weltfremde Theorie abgetan, sondern als umsetzbare Lösungen ernst genommen werden.
Vom Fundament zur praktischen Anwendung im Alltag
Das Zusammenspiel aus technischer Ausbildung und Praxiserfahrung ist die perfekte Startrampe für eine der zentralen Aufgaben einer Sifa: die systematische Gefährdungsbeurteilung. Mit diesem Hintergrund sind Sie bestens gerüstet, Arbeitsplätze, Tätigkeiten und Arbeitsmittel methodisch zu analysieren, Risiken zu bewerten und die passenden Schutzmaßnahmen abzuleiten. Um dieses Wissen zu vertiefen, lesen Sie unseren ausführlichen Leitfaden „Wie erstelle ich eine Gefährdungsbeurteilung?“ und setzen Sie die Prinzipien direkt in die Tat um.
Kurz gesagt: Die Fachkraft für Arbeitssicherheit Voraussetzung ist alles andere als ein willkürliches Kriterium. Sie ist vielmehr die Garantie dafür, dass Sie das nötige Rüstzeug mitbringen, um die komplexe Herausforderung des modernen Arbeitsschutzes kompetent, praxisnah und erfolgreich zu meistern.
Die Fachkundeausbildung zum Leben erwecken
Wenn die berufliche Qualifikation und die Praxiserfahrung das solide Fundament sind, dann ist die sicherheitstechnische Fachkundeausbildung das Haus, das Sie darauf bauen. Hier beginnt die eigentliche Verwandlung zur Sifa. Betrachten Sie diese Phase nicht als trockenen Pflichttermin, sondern vielmehr als ein intensives Trainingslager, das Sie für die echten Herausforderungen im Betriebsalltag stählt. Hier wird aus theoretischem Wissen endlich gelebter, angewandter Arbeitsschutz.

Was unterscheidet diese Ausbildung von einer rein akademischen Schulung? Der knallharte Praxisbezug. Das gesamte Konzept ist darauf ausgelegt, dass Sie Gelerntes nicht nur verstehen, sondern sofort anwenden können. Sie werden nicht nur mit Paragrafen und Vorschriften bombardiert, sondern lernen, diese in wirksame und vor allem umsetzbare Maßnahmen für Ihren eigenen Betrieb zu übersetzen.
Vom Lehrbuch zur Werkbank: Der Aufbau der Ausbildung
Die Fachkundeausbildung ist kein chaotischer Wissens-Sprint, sondern folgt einer klaren, mehrstufigen Struktur. Diese wird von den Unfallversicherungsträgern (also den Berufsgenossenschaften und Unfallkassen) vorgegeben und soll Sie Schritt für Schritt an Ihre komplexen Aufgaben heranführen.
Stellen Sie es sich wie das Erlernen eines Instruments vor: Zuerst lernen Sie die Noten (Grundlagen), dann üben Sie Tonleitern und Akkorde (Methodenkompetenz) und am Ende komponieren Sie Ihr eigenes Stück – die praktische Anwendung in Ihrem Unternehmen. Die Ausbildung gliedert sich typischerweise in diese Phasen:
- Ausbildungsstufe I (Grundlagen): Hier wird das Fundament gelegt. Sie befassen sich mit den rechtlichen Rahmenbedingungen, der Organisation des Arbeitsschutzes und dem A und O: der Gefährdungsbeurteilung.
- Ausbildungsstufe II (Vertiefung): Jetzt geht es ans Eingemachte. Sie tauchen tief in spezifische Gefährdungsfaktoren wie Lärm, Gefahrstoffe oder psychische Belastungen ein und eignen sich die Methoden an, um diese systematisch zu bewerten.
- Ausbildungsstufe III (Praxistransfer): Das ist die branchenspezifische Kür. Sie stellt sicher, dass Ihr Wissen exakt auf die Herausforderungen Ihrer Branche zugeschnitten ist. Eine Sifa im Baugewerbe kämpft eben mit anderen Risiken als eine Sifa im Chemielabor.
Dieses strukturierte Vorgehen hat sich über Jahrzehnte bewährt. Seit 1976 haben auf diesem Weg rund 124.000 Personen die sicherheitstechnische Fachkunde erworben. Die Kombination aus Basisqualifikation, Berufserfahrung und dieser speziellen Weiterbildung ist der etablierte Standard. Mehr zu den Hintergründen dieser Qualifikation finden Sie bei der BAuA.
Die Lernerfolgskontrolle als Praxistest
Ein zentrales Element der Ausbildung sind die sogenannten Lernerfolgskontrollen (LEK). Vergessen Sie klassische Klausuren, bei denen nur auswendig gelerntes Wissen abgefragt wird. LEKs sind praktische Projektarbeiten, die Sie direkt in Ihrem eigenen Unternehmen durchführen.
Sie könnten zum Beispiel den Auftrag bekommen, eine Gefährdungsbeurteilung für einen bestimmten Arbeitsplatz zu erstellen, ein Konzept für den sicheren Umgang mit einer neuen Maschine zu entwerfen oder eine Betriebsanweisung zu überarbeiten. Diese praktischen Aufgaben sorgen dafür, dass die Fachkraft für Arbeitssicherheit die Voraussetzung nicht nur auf dem Papier erfüllt, sondern dass sie wirklich die Kompetenz besitzt, aktiv zu handeln. Um tiefer in das Thema einzusteigen, lesen Sie auch unseren Artikel darüber, was eine Betriebsanweisung ist und welche zentrale Rolle sie im Arbeitsschutz spielt.
Mehr als nur Vorschriften verstehen
Das wahre Ziel der Fachkundeausbildung geht weit über das bloße Pauken von Gesetzen hinaus. Es geht darum, eine neue Denkweise und neue Fähigkeiten zu entwickeln, die Sie zu einem unverzichtbaren Berater im Unternehmen machen.
Was Sie wirklich lernen:
- Systematisch denken: Sie lernen, Arbeitsschutzprobleme nicht isoliert zu sehen, sondern als Teil eines komplexen Systems aus Mensch, Technik und Organisation (MTO-Analyse).
- Kommunizieren und überzeugen: Eine Ihrer wichtigsten Fähigkeiten wird es sein, Führungskräfte und Mitarbeiter für den Arbeitsschutz zu begeistern. Sie lernen, auf Augenhöhe zu beraten und Ihre Argumente klar und verständlich auf den Punkt zu bringen.
- Prozesse gestalten: Sie werden befähigt, Arbeitsschutz nicht als lästige Pflicht im Nachhinein zu betrachten, sondern ihn von Anfang an in die Planung von Arbeitsplätzen und Prozessen zu integrieren.
- Lösungen entwickeln: Statt nur mit dem Finger auf Mängel zu zeigen, lernen Sie, pragmatische und wirtschaftlich tragfähige Lösungen zu entwickeln, die die Sicherheit erhöhen, ohne die Produktivität auszubremsen.
Die Ausbildung stattet Sie mit einem prall gefüllten Werkzeugkasten aus – von der Moderation einer Arbeitsschutzausschuss-Sitzung (ASA) bis zur Durchführung einer komplexen Risikoanalyse. Am Ende sind Sie nicht nur ein Experte für Vorschriften, sondern ein Gestalter für sichere und gesunde Arbeitswelten, der aktiv zum Unternehmenserfolg beiträgt.
Ihre Rolle im Unternehmen rechtssicher gestalten
Das Zertifikat ist in der Tasche, der Lehrgang geschafft – ein wichtiger Meilenstein! Aber jetzt geht die Arbeit als Fachkraft für Arbeitssicherheit (Sifa) erst richtig los. Der nächste Schritt ist absolut entscheidend, um Ihre Tätigkeit auf ein solides, rechtssicheres Fundament zu stellen: die formale Bestellung durch den Arbeitgeber. Das ist viel mehr als nur eine bürokratische Formalität.

Die schriftliche Bestellung nach § 5 des Arbeitssicherheitsgesetzes (ASiG) ist quasi Ihr offizielles Mandat. Sie definiert glasklar Ihre Aufgaben, Rechte und Pflichten und stellt sicher, dass Ihre Rolle im Unternehmen von allen verstanden und respektiert wird. Ohne dieses formale Dokument bewegen Sie sich in einer rechtlichen Grauzone – ein Risiko, das niemand eingehen sollte.
Warum die schriftliche Bestellung so wichtig ist
Ein Handschlag oder eine mündliche Zusage reicht hier definitiv nicht aus. Die Bestellung muss schwarz auf weiß erfolgen und ganz genau festlegen, für welchen Betriebsteil oder welches Unternehmen Sie überhaupt zuständig sind. Dieses Dokument schafft Verbindlichkeit für beide Seiten und ist die Basis für Ihre gesamte Arbeit.
Was muss in der schriftlichen Bestellung stehen?
- Ihre genaue Bezeichnung: Ihr Name und Ihre Funktion als „Fachkraft für Arbeitssicherheit“.
- Ihr Zuständigkeitsbereich: Eine klare Abgrenzung, für welche Standorte, Abteilungen oder Bereiche Sie verantwortlich sind.
- Die Aufgabenbeschreibung: Hier genügt meist ein Verweis auf die Aufgaben, die in § 6 ASiG definiert sind – das ist der Kern Ihrer Tätigkeit.
- Zusicherung der Unterstützung: Der Arbeitgeber verpflichtet sich damit, Ihnen alle nötigen Ressourcen und Informationen zur Verfügung zu stellen.
- Datum und Unterschriften: Das Ganze wird mit den Unterschriften der Unternehmensleitung und Ihnen selbst offiziell besiegelt.
Dieser formale Akt ist auch deshalb so entscheidend, weil er Ihre beratende Funktion sauber von der operativen Verantwortung der Führungskräfte trennt. Es ist essenziell zu verstehen: Eine Sifa berät, aber sie trägt nicht selbst die Verantwortung für die Umsetzung der Maßnahmen. Die liegt immer beim Unternehmer und dem jeweiligen Vorgesetzten. In diesem Zusammenhang ist es auch sehr hilfreich, die Grundsätze der Übertragung von Unternehmerpflichten zu kennen, um die Verantwortlichkeiten glasklar abzugrenzen.
Die Stabsstelle als Schlüssel zum Erfolg verstehen
Einer der wichtigsten Punkte für Ihre Position im Unternehmen ist die sogenannte Stabsstellenfunktion. Der Begriff klingt vielleicht etwas trocken, aber er ist der Hebel für Ihre Wirksamkeit. Als Stabsstelle sind Sie direkt der höchsten Leitungsebene unterstellt – also dem Unternehmer oder der Geschäftsführung.
Stellen Sie sich das Organigramm Ihres Unternehmens wie ein Schiff vor: Die Geschäftsführung ist der Kapitän. Die Abteilungsleiter sind die Offiziere, die für ihre Bereiche (Maschinenraum, Deck etc.) zuständig sind. Sie als Sifa sind nun keiner dieser Offiziere, sondern ein spezialisierter Berater, der direkt neben dem Kapitän steht.
Diese organisatorische Einbindung bringt enorme Vorteile mit sich:
- Direkter Draht zur Leitung: Ihre Kommunikationswege zur obersten Entscheidungsebene sind kurz. Das verleiht Ihren Empfehlungen das nötige Gewicht.
- Fachliche Weisungsfreiheit: Kein Abteilungsleiter kann Ihnen vorschreiben, wie Sie eine Gefährdung zu bewerten haben. Ihre fachliche Einschätzung ist und bleibt unabhängig.
- Keine Interessenkonflikte: Wären Sie beispielsweise gleichzeitig Produktionsleiter und Sifa, könnten wirtschaftliche Ziele Ihre objektive Sicherheitsbewertung trüben. Die Stabsstellenfunktion schiebt solchen Konflikten von vornherein einen Riegel vor.
Diese besondere Rolle macht Sie zu einem neutralen und objektiven Experten. Ihre Aufgabe ist es, Gefahren zu erkennen, Risiken zu bewerten und fundierte Empfehlungen zu geben. Für die Umsetzung ist dann die Linienorganisation – also die Führungskräfte – verantwortlich.
Die rechtssichere Gestaltung Ihrer Rolle durch die korrekte Bestellung und die Verankerung als Stabsstelle ist also keine Nebensächlichkeit, sondern die entscheidende Voraussetzung, um als Fachkraft für Arbeitssicherheit erfolgreich und gesetzeskonform arbeiten zu können.
Wissen aktuell halten und als Erfolgsfaktor nutzen
Wer die sicherheitstechnische Fachkunde in der Tasche hat, steht nicht am Ende, sondern ganz am Anfang seiner Reise. Stellen Sie sich Ihre Qualifikation wie einen frisch bestandenen Führerschein vor: Sie dürfen jetzt fahren, klar. Aber ein wirklich souveräner Fahrer, der auch in brenzligen Situationen einen kühlen Kopf bewahrt, werden Sie erst durch Übung, Erfahrung und ständiges Dazulernen. Die Arbeitswelt dreht sich unaufhörlich weiter – und Sie als Sifa sollten das auch tun.
Die gesetzliche Fortbildungspflicht ist deshalb auch keine lästige Formalie, sondern Ihr wichtigstes Werkzeug, um als Berater auf Augenhöhe agieren zu können. Es reicht längst nicht mehr, nur die bestehenden Vorschriften im Schlaf zu kennen. Vielmehr müssen Sie Trends erkennen, neue Technologien bewerten und vorausschauend handeln, bevor aus einer Innovation eine neue Gefahr wird.
Trends erkennen und Kompetenzen erweitern
Die Schwerpunkte im Arbeitsschutz haben sich massiv verschoben. Wo früher vielleicht die mechanische Sicherheit einer Maschine im Mittelpunkt stand, kämpfen wir heute mit psychischen Belastungen, der richtigen Ergonomie im Homeoffice oder dem sicheren Einsatz von künstlicher Intelligenz. Um hier nicht den Anschluss zu verlieren, ist eine strategische Weiterbildung unerlässlich.
Zukunftsweisende Fortbildungsthemen, die Sie auf dem Schirm haben sollten:
- Psychische Gefährdungsbeurteilung: Lernen Sie praxistaugliche Methoden, um Stress, Burnout und andere psychische Belastungen systematisch zu erfassen und wirksame Gegenmaßnahmen zu entwickeln.
- Digitalisierung und Arbeit 4.0: Verstehen Sie, welche Risiken, aber auch welche Chancen in neuen Technologien wie kollaborativen Robotern (Cobots) oder digitalen Assistenzsystemen stecken.
- Gefahrstoffmanagement: Bleiben Sie auf dem Laufenden, was neue Kennzeichnungen, Grenzwerte und rechtliche Fallstricke im Umgang mit Chemikalien betrifft.
- Nachhaltigkeit und Arbeitsschutz (ESG): Entdecken Sie die spannende Schnittmenge, an der ein sicheres Arbeitsumfeld ganz direkt auf die Nachhaltigkeitsziele eines Unternehmens einzahlt.
Diese kontinuierliche Entwicklung sorgt dafür, dass die formale Fachkraft für Arbeitssicherheit Voraussetzung nicht nur ein einmal abgehaktes Kriterium bleibt, sondern Ihre Beratungstätigkeit dauerhaft auf einem exzellenten und rechtssicheren Niveau stattfindet.
Netzwerke nutzen und den Überblick behalten
Zum Glück müssen Sie diese Herausforderungen nicht alleine stemmen. Der Austausch mit anderen Fachkräften für Arbeitssicherheit ist Gold wert – ob in Netzwerken, auf Fachtagungen oder in Online-Foren. Hier bekommen Sie neue Impulse, profitieren von den Praxiserfahrungen der Kollegen und finden Lösungsansätze für knifflige Probleme.
Dieser fachliche Austausch ist genauso eine Form der Weiterbildung wie ein klassisches Seminar. Er hilft Ihnen, über den Tellerrand des eigenen Betriebs hinauszuschauen und bewährte Lösungen für die eigenen Herausforderungen zu adaptieren.
Eine moderne Arbeitsschutzsoftware wie AMS-Pro wird dabei zu Ihrem digitalen Kompass. Sie hilft nicht nur bei der Organisation der täglichen Aufgaben, sondern unterstützt Sie ganz gezielt bei Ihrer Fortbildungsplanung. Sie können damit Fristen für notwendige Schulungen und Auffrischungen im Blick behalten und Ihre Fortbildungsnachweise lückenlos an einem Ort ablegen.
Durch die zentrale Verwaltung aller Dokumente und Termine in einem System wie AMS-Pro schaffen Sie Transparenz. Gegenüber Behörden oder bei Audits können Sie jederzeit belegen, dass Sie Ihrer Fortbildungspflicht nachkommen. So sind Sie und Ihr Unternehmen immer auf dem aktuellen Stand und rechtlich abgesichert – und Sie gewinnen Zeit für das, was wirklich zählt: eine sichere und gesunde Arbeitswelt zu gestalten.
Häufig gestellte Fragen zur Sifa-Qualifikation
Der Weg zur Fachkraft für Arbeitssicherheit ist zwar klar geregelt, doch im Detail tauchen natürlich immer wieder Fragen auf. Damit Sie schnell Klarheit für Ihren persönlichen Weg gewinnen und die nächsten Schritte sicher planen können, haben wir die häufigsten Unklarheiten hier für Sie beantwortet.
Kann ich die Sifa-Ausbildung ohne Meister oder Techniker machen?
Nein, das geht in aller Regel nicht. Das Fundament für diese anspruchsvolle Aufgabe ist eine solide technische Grundqualifikation, also ein Abschluss als Meister, Techniker oder Ingenieur. So wollen es das Arbeitssicherheitsgesetz (genauer: § 7 ASiG) und die DGUV-Vorschrift 2.
Warum ist das so? Ganz einfach: Sie müssen in der Lage sein, technische Prozesse und betriebliche Gefahren tiefgreifend zu verstehen und zu bewerten. Ohne dieses Rüstzeug ist das kaum möglich. Ausnahmegenehmigungen sind extrem selten und in der Praxis so gut wie irrelevant.
Wie lange dauert der gesamte Weg zur Sifa?
Da die Ausbildung berufsbegleitend stattfindet, ist die Dauer natürlich etwas flexibel. Realistisch sollten Sie aber mit einem Zeitraum von ein bis zwei Jahren rechnen, bis Sie alles in der Tasche haben.
Dieser Weg ist ein Mix aus verschiedenen Bausteinen:
- Präsenzphasen: Hier lernen Sie die Theorie direkt beim Ausbildungsträger.
- Selbstlernphasen: Zwischen den Präsenzterminen vertiefen Sie das Gelernte im Selbststudium.
- Praktische Aufgaben (LEK): Bei den Lernerfolgskontrollen wenden Sie Ihr neues Wissen direkt im eigenen Betrieb an und dokumentieren die Ergebnisse.
Das genaue Tempo geben der Kursanbieter und Ihr eigenes Engagement vor. Betrachten Sie es als einen Marathon, nicht als Sprint – am Ende steht dafür eine wirklich fundierte und praxisnahe Kompetenz.
Muss ich meine Fortbildungen als Sifa nachweisen können?
Ja, unbedingt! Die Pflicht zur Fortbildung ist keine lose Empfehlung, sondern eine gesetzliche Vorgabe. Wenn Aufsichtsbehörden wie das Gewerbeaufsichtsamt oder die Berufsgenossenschaft vorbeischauen, müssen Sie belegen können, dass Ihr Fachwissen auf dem neuesten Stand ist.
Was unterscheidet eine Sifa von einem Sicherheitsbeauftragten?
Diese beiden Rollen werden oft in einen Topf geworfen; dabei sind sie von Grund auf verschieden. Sie unterscheiden sich in ihren Aufgaben, ihrer Qualifikation und ihrer rechtlichen Stellung im Betrieb ganz erheblich.
Die Fachkraft für Arbeitssicherheit (Sifa) ist eine speziell ausgebildete Expertin oder ein Experte. Sie ist eine Stabsstelle und hat die gesetzliche Aufgabe, den Unternehmer und die Führungskräfte professionell in allen Fragen des Arbeitsschutzes zu beraten.
Der Sicherheitsbeauftragte hingegen ist ein Kollege aus der Belegschaft, der diese Aufgabe ehrenamtlich neben seiner normalen Arbeit übernimmt. Er ist sozusagen das „Auge und Ohr“ für den Arbeitsschutz direkt an der Basis. Er hat aber keine Beratungsfunktion und braucht auch nur eine kurze Schulung, nicht die umfassende Sifa-Qualifikation. Seine Aufgabe ist es, die Sifa und die Vorgesetzten mit seinem Praxiswissen zu unterstützen.
Qualifikationen, Fortbildungen und Zuständigkeiten zu verwalten, kann schnell zur Zettelwirtschaft ausarten. AMS-Pro hilft Ihnen dabei, den Überblick zu behalten. Mit einer zentralen Plattform können Sie alle Nachweise digital managen, Fristen automatisch überwachen lassen und so die Rechtssicherheit im Arbeitsschutz systematisch sicherstellen. Erfahren Sie auf https://ams-pro.de, wie Sie Ihre Prozesse vereinfachen können.
Geschrieben von

Thomas Schweig
Gründer von AMS-Pro - Arbeitsschutzsoftware, modern, flexibel, online Schluss mit unendlichen Excel Listen